BPT 2011.2 Lost & Found

Dezember 4, 2011

Update: Ein weiteres Fundstück hat sich im Gepäck eines Gastes gefunden – der/die Besitzer/in dieses Schals möge sich ebenfalls bei mir melden:

Schal

Bild 1A: gestreifter Schal


Ein toller Parteitag geht zu Ende, als letzte Orga-Amtshandlung wurde mir die zweifelhafte Ehre zuteil, die Lost & Found-Kiste in meine Obhut zu nehmen. Die Fundstücke können gegen Porto ihren rechtmäßigen Besitzer/innen zugeführt werden. Wenn Euch etwas davon gehört und Ihr es wiederhaben wollt, schickt mir einfach eine Mail an:

julia[dot]reda[at]junge[minus]piraten[dot]de

unter Angabe der Bildnummer und eurer Adresse.

The Loot:

The Loot

Notizbuch

Bild 1: blaues Notizbuch, Postalco

schwarzejacke

Bild 2: generische schwarze Jacke

graue Jacke

Bild 3: beschriftete graue Jacke

schals

Bild 4: Schals...

Thermoskanne

Bild 5: rote Thermoskanne mit Rooibos Vanille (wird ohne Tee verschickt)

Nikolausmütze

Bild 6: Nikolausmütze mit Bimmel

grüne Jacke

Bild 7: hellgrüne Jacke

Schirm

Bild 8: blau-gelber Schirm, Knirps

Mütze

Bild 9: graue Mütze

Handschuhe

Bild 10: Eichhörnchenhandschuhe (anders kann ich mir die Größe nicht erklären)

Netzteil

Bild 11: Netzteil, Lenovo

ladegerät

Bild 12: Handy-Ladegerät, HTC

USB-Kabel

Bild 13: USB-Kabel, Ecomoto

Laptop-Akku

Bild 14: Laptop-Akku, hp

Maus

Bild 15: Eine Maus!

Hut

Bild 16: schicker Hut, faustmann

Counterfeit Detector

Bild 17: Counterfeit Detector (?!), Zettel dran: "Für Frosch aka Sabine"

Bitte meldet euch bald, sonst gehen die Sachen schnell in Familienbesitz über, @gedankenstuecke freut sich schon:

Mann mit Hut

Dieser Post hat mir auf ganz merkwürdige Weise Spaß gemacht, vielleicht hätte ich Archivarin werden sollen…

PolitCamp 2011: Ein Erfahrungsbericht

Juni 7, 2011

Hier ein kleiner Erfahrungsbericht vom PolitCamp #pc11 vom 03. bis 05. Juni in Bonn.

Ich war eingeladen worden, das JugendPolitCamp am Freitag zu betreuen. Der Deal war, dass Teilnehmer unter 18 dort Barcamp-Sessions unter Anleitung vorbereiten und dafür ermäßigten Eintritt bekommen. Dieses Angebot hat leider nur ein einziger Jugendlicher wahrgenommen. Mit dem haben wir dann immerhin eine Session zum Jugendmedienschutz aus Sicht der Jugendlichen vorbereitet, die am Samstag auch auf großes Interesse gestoßen ist. Spontan haben sich an der Session neben „dem Jugendlichen“ (der von der Grünen Jugend war) noch Max von den Jungen Piraten und ein neunzehnjähriger JuSo beteiligt. Ich glaube, das waren auch die einzigen Jugendlichen, die da waren. Die Session war im Prinzip ähnlich wie unsere im letzten Jahr zu HDDDZ, die Erwachsenen sind ihre Fragen zu Erfahrungen der Jugendlichen aus der Schule und mit „entwicklungsgefährdenden Inhalten“ losgeworden. Einen Pressebericht von der Westen zu der Session gibt’s hier.

Im Vergleich zu letztem Jahr, wo zumindest die JuPis stark vertreten waren, gab es diesmal also so gut wie keine Jugendbeteiligung, obwohl durchaus im Netz und bei Jugendorganisationen geworben wurde. Ich würde gerne auch mal Eure Vermutungen hören, woran das liegt. Meint Ihr, so eine Einrichtung wie das JugendPolitCamp macht Sinn? Ist die Altersbegrenzung bis 18 zu niedrig? Ist die Veranstaltung/Anreise zu teuer, die Themen langweilig? Warum sind die JuPis, die letztes Jahr dabei waren, diesmal größtenteils zuhause geblieben?

Ich fand vor allem die Podiumsdiskussionen wie immer ziemlich unspannend – besonders auf der zum JMStV wurde viel um den heißen Brei geredet und Medienkompetenz beschworen, die entscheidende Frage, ob wir den JMStV überhaupt brauchen, wurde aber nicht gestellt (außer von mir aus dem Publikum, ziemlich erbost). Leider fanden die Podiumsdiskussionen dieses Jahr auch nicht parallel zu den Barcamp-Sessions statt, sodass man sich kein Alternativprogramm suchen konnte. Auch fehlte ein kühler Aufenthaltsort für persönliche Gespräche, aus denen ich trotz widriger Umstände definitiv am meisten mitgenommen habe.

Zwar waren hauptsächlich die Politiker da, die auch sonst mit der Netzgemeinde im Dialog stehen (Jimmy Schulz von der FDP, Peter Tauber von der CDU, Tabea Rösner von den Grünen etc.), was ich aber positiv fand, war, dass die Mitglieder von Bundestag und Europaparlament nicht nur in den Podiumsdiskussionen waren, sondern auch in den Barcamp-Sessions. Z.B. hat Thomas Jarzombek von der CDU (!), der auf der ziemlich lahmen Podiumsdiskussion zum JMStV war, mit uns zusammen die Barcamp-Session zum Jugendschutz gemacht und dabei hauptsächlich den Jugendlichen zugehört. Das war definitiv ein gutes Zeichen. Erschreckend hingegen war, dass Netzpolitik-Spezialisten der Grünen offensichtlich den Kirchentag wichtiger fanden und dem PolitCamp fernblieben. Ich hatte alles in allem den Eindruck, dass das Politcamp beginnt, ein wenig im eigenen Saft zu kochen, und ich frage mich, wie man die Politiker und auch Jugendlichen dorthin bekommt, die den Dialog besonders nötig hätten, weil sie sich nicht eh schon das ganze Jahr auf Konferenzen treffen.

Insgesamt war das Politcamp jetzt keine große Offenbarung für mich, aber für die spannenden Gespräche am Rande, die Jugendschutz-Session und die zur Europapolitik mit zwei MEPs und Joe McNamee von EDRi hat es sich schon wieder gelohnt. Ich hoffe, nächstes Jahr sind wieder ein paar mehr Leute unter 20 dabei. Es ist definitiv eine gute Chance, ein paar Politiker in die Finger zu kriegen und ihnen die Meinung zu sagen. Faszinierenderweise hören die meisten sogar zu!

Auf die Panikmache ist Verlass

März 14, 2011

„Wir dürfen keine Technologien einsetzen, deren Risiken wir nicht hundertprozentig unter Kontrolle haben“

„Die Frage ist nicht, ob in Deutschland so etwas passieren kann, sondern wann“

„Wann, wenn nicht jetzt, muss diese Debatte geführt werden?“

Für diese und ähnliche Sätze haben Politiker zu Recht viel Häme einstecken müssen, als es um die Verschärfung von Sicherheitsgesetzen und die Kontrolle des Internets in Reaktion auf Terroranschläge ging. Erstaunlich, dass dieselbe angstgetriebene Rhetorik nun ausgerechnet in der Piratenpartei, die damals zur Besonnenheit aufgerufen hat, hoffähig zu werden scheint. Es geht, wie unschwer zu erraten war, um den Reaktorunfall in Fukushima.

Nach Bekanntwerden der starken Schäden an Kernkraftwerken in Folge des Erdbebens in Japan wurden sofort Rufe laut, aus dieser Katastrophe Konsequenzen für den Betrieb deutscher Kernkraftwerke zu ziehen. Wie im Falle der Terroranschläge ist der Wunsch nach mehr Sicherheit menschlich und nachvollziehbar. Aber wieviel ist von den obigen Aussagen zu halten?

„Wir dürfen keine Technologien einsetzen, deren Risiken wir nicht hundertprozentig unter Kontrolle haben“

klingt auf den ersten Blick so schlüssig, wie es bei längerem Nachdenken unmöglich zu erfüllen ist. Ohne die Komplexität und das Risiko von Kernenergie mit denen des Straßenverkehrs gleichzusetzen, ist offensichtlich, dass die menschliche Zivilisation auf etliche Technologien fußt, deren Risiken wir nicht hundertprozentig zu bändigen vermögen. Die Diskussion über den Einsatz von Atomenergie kann – wie bei jeder anderen Technologie auch – nur auf der Grundlage einer Abwägung von Nutzen und Risiken stattfinden. Dass überhaupt ein Unfall möglich ist, kann dabei aber nicht alleine den Ausschlag geben.

„Die Frage ist nicht, ob in Deutschland so etwas passieren kann, sondern wann.“

Das Problem solcher Aussagen ist, dass sie nicht widerlegbar sind. Ein Leben in ständiger Angst ist aber weder hilfreich noch lebenswert, also muss eine Risikoabwägung in irgendeiner Form stattfinden. Genauso wenig, wie ein Unfall ausgeschlossen werden kann, wird er mit absoluter Sicherheit eintreten.

„Wann, wenn nicht jetzt, muss diese Debatte geführt werden?“

Es bleibt also der Aufruf zur erneuten Debatte des Atomausstiegs. Gegen eine Diskussion ist natürlich grundsätzlich nichts einzuwenden. Dabei müssen wir aber im Hinterkopf behalten, dass die aktuelle Lage weniger neue Informationen als neue Ängste gebracht hat. Die Erkenntnis, dass deutsche Kernkraftwerke auf einen Tsunami dieses Ausmaßes nicht vorbereitet wären, ist keine neue und für Deutschland auch keine hilfreiche – völlig unabhängig davon, was in Japan geschehen ist.

Wenn uns die Terrorhysterie eines gelehrt hat, dann ist es, dass unmittelbar nach einer Katastrophe der denkbar schlechteste Zeitpunkt ist, politische Entscheidungen von größerer Tragweite als der unmittelbaren Schadensbegrenzung zu treffen. Solche Entscheidungen wären überwiegend von unseren unmittelbarsten Ängsten geprägt und wir wären zu einer wertfreien Beurteilung des Für und Wider gar nicht in der Lage, weil jede kritische Stimme als Verhöhnung der Opfer abgebügelt würde – wie es auch nach dem 11. September unmöglich war, eine unaufgeregte Diskussion über die Prävention terroristischer Kriminalität zu führen. Es gibt keine Zeitperiode, die sich einer neutralen Betrachtung stärker entzieht als die unmittelbare Vergangenheit.

Vom politischen Gegner instrumentalisierte Ängste – etwa die vor Terroranschlägen – als eiskaltes Kalkül abzutun, das gezielt eine politische Agenda umsetzen soll, aber die eigenen politischen Positionen von Angst leiten zu lassen, ist unredlich. Die Reaktionen auf die Katastrophe in Japan können wir uns wenigstens zum Anlass nehmen, zu einer faktenbasierten Diskussion über Atomenergie zurückzufinden (Quellen und seriöse Links zum Fukushima-Kraftwerk-Störfall findet man übrigens unter anderem hier). Und Verständnis dafür zu entwickeln, dass Angst zu irrationalen Kurzschlussreaktionen führen kann. Glücklicherweise gibt es auch bei den Piraten Stimmen, die dazu beitragen.

Gender-Diskurs und Schutzräume

März 10, 2010

Offener Brief an die Piratinnen-Mailingliste

Ahoi, neu hier!

Ich habe mich auf der Mailingliste angemeldet, nachdem ich Lenas Interview angehört hatte und zu meiner Schande feststellen musste, dass ich ein Stück weit den vielfach doch recht negativen Berichten anderer Piraten über das Anliegen der Piratinnen aufgesessen war. Aber schon da hatte ich was gelernt, beim nächsten Mal lieber gleich Primärquellen konsultieren. Das, was Lena da gesagt hat, kann ich zu 90% unterschreiben, und ich habe mich an der ein oder anderen Stelle sogar unangenehm ertappt gefühlt.

Zum Beispiel argumentiere ich in der Gender-Satzungsfrage immer, dass der entsprechende Passus nur eine Regelung für offizielle Parteidokumente darstellt und eben zur Klarstellung dort steht, dass Frauen von dem Begriff „Pirat“ explizit eingeschlossen sind, womit ich sehr gut leben kann. Gleichzeitig sei mir aber noch nie ein Pirat untergekommen, der mir auf Basis der Satzung ernsthaft versuche vorzuschreiben, dass ich mich nicht als Piratin bezeichnen dürfe, was ich schon länger zu tun pflege. So weit, so gut. Das Problem ist, beim Hören des Interviews und den Ausführungen zum Schutzraum ist mir aufgefallen, dass ich in dieser Argumentation gelogen habe. Mir sind schon mehrfach Piraten untergekommen, die mich ernsthaft dafür angegangen sind, dass ich mich Piratin nenne, und sich auf die Satzung berufen haben. Witzigerweise wurde ich von wiederum anderen Personen schon angegangen, weil ich mich als Pirat bezeichnete. Als Frau kann man es in dieser Frage augenscheinlich nicht allein recht machen. Nun waren diejenigen, von denen solche Äußerungen kamen, natürlich einzelne Spinner und bei weitem nicht die Mehrheit. Die meisten Piraten meinen es mit der Gleichberechtigung durchaus ernst und lassen sich auch auf Diskussionen darüber ein.

Das viel interessantere für mich ist, dass ich im Brustton der Überzeugung gesagt habe, so eine Form der Diskriminierung sei mir bei den Piraten NIE NIE untergekommen, obwohl das einige Male eben doch passiert ist. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich da die Unwahrheit erzählte. Um ja nicht vor all den emanzipierten Männern als die Rückschrittliche dazustehen, die alte Geschlechterkämpfe wieder aufnehmen will – so interpretiere ich mein Verhalten jetzt im Nachhinein – habe ich also selbst so getan, als gäbe es kein Problem. „Es besteht Diskussionsbedarf, seit jemand postuliert hat, es gäbe keinen Diskussionsbedarf“, hat ein mir lieber Pirat den Sachverhalt beschrieben. Als er das sagte, pflichtete ich ihm sogar bei, habe es bloß noch nicht auf mich bezogen. Ich habe mich zwar nicht explizit gegen diese Mailingliste ausgesprochen, wäre aber auch nie auf die Idee gekommen, dass ich möglicherweise zu den Frauen gehören könnte, für die sie eingerichtet wurde. Zu denen, die am lautesten demonstrieren wollen, dass sie keinen „Schutzraum“ brauchen und sich damit mal eben selbst widerlegen. O.o

Wie dem auch sei, ziemlich viel Selbsterkenntnis für einen Montag Abend, aber ich hatte noch nicht genug und habe mich gleich mal in die Debatte gestürzt. In diversen IRC-Channels habe ich an dem Abend sehr produktive Gespräche über die Genderfrage mit Piraten geführt, die diese sonst immer sehr schnell und genervt abgetan haben. Dadurch, dass ich ihnen meine kleine Geschichte erzählt habe, haben sie sich aber viel bereitwilliger auf die Diskussion eingelassen, weil sie sich ausnahmsweise nicht auf die Anklagebank gerückt fühlten. Wir kamen an dem Abend zu so erfreulichen Ergebnissen wie dass die Bezeichnung „Pirat“ für alle Parteimitglieder genauso legitim ist wie die Bezeichnung „Feminismus“ für die Gleichberechtigungsbewegung. Und das waren teilweise Männer, denen zwei Tage zuvor bei dem Wort „Feminismus“ noch die Haare zu Berge standen, weil sie dachten, man wolle sie übervorteilen.

Ich denke, wir müssen viel mehr betonen, dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht an feste Rollenverteilungen gebunden ist. Männer diskriminieren gegen Frauen, Frauen gegen Männer, aber sehr oft auch Männer gegen Männer oder eben Frauen gegen Frauen. Ich denke, dass viele Männer bei den Piraten sich der Genderdebatte nur deshalb verweigern, weil sie das Gefühl haben, dass der Bedarf an einer geschlossenen Frauenmailingliste bedeutet, sie als Männer hätten etwas falsch gemacht. Viele, die von Post-Feminismus reden, tun das nicht, weil sie ernsthaft glauben, es gäbe nirgendwo in unserer Gesellschaft Diskriminierung, sondern weil sie denken, die Anerkennung eines Handlungsbedarfs sei gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis.

Diese Piraten haben sich wirklich oft selbst nichts groß vorzuwerfen und teilen unser Ziel einer echten Gleichberechtigung. Nur weil das Bild des unterdrückenden Mannes und der unterdrückten Frau (auch ein überholtes Klischee) noch so tief in ihren Köpfen verankert, merken sie nicht, dass die fortbestehende Diskriminierung in unserer Gesellschaft allen Geschlechtern schadet – vor allem all jenen, die es wagen, aus der klassischen Rollenverteilung auszubrechen. Ich habe mich nun also dieser Mailingliste angeschlossen, in der Hoffnung, hier nicht das befürchtete Männergebashe zu lesen, genauso wie mir in den Chats mit Piraten in den letzten Tagen nicht die erwartete Ablehnung der Genderdiskussion widerfahren ist. Ich war zwar von der Ankündigung der Piratinnen in Form der PM nicht begeistert, aber so lange hier ein konstruktiver Dialog stattfindet, bin ich dabei. Ich werde mir vielleicht trotzdem die Frechheit herausnehmen, diesen Beitrag noch irgendwo anders zu posten, Eure Antworten aber selbstverständlich nicht.

Piratige Grüße,
Julia