PolitCamp 2011: Ein Erfahrungsbericht

Hier ein kleiner Erfahrungsbericht vom PolitCamp #pc11 vom 03. bis 05. Juni in Bonn.

Ich war eingeladen worden, das JugendPolitCamp am Freitag zu betreuen. Der Deal war, dass Teilnehmer unter 18 dort Barcamp-Sessions unter Anleitung vorbereiten und dafür ermäßigten Eintritt bekommen. Dieses Angebot hat leider nur ein einziger Jugendlicher wahrgenommen. Mit dem haben wir dann immerhin eine Session zum Jugendmedienschutz aus Sicht der Jugendlichen vorbereitet, die am Samstag auch auf großes Interesse gestoßen ist. Spontan haben sich an der Session neben “dem Jugendlichen” (der von der Grünen Jugend war) noch Max von den Jungen Piraten und ein neunzehnjähriger JuSo beteiligt. Ich glaube, das waren auch die einzigen Jugendlichen, die da waren. Die Session war im Prinzip ähnlich wie unsere im letzten Jahr zu HDDDZ, die Erwachsenen sind ihre Fragen zu Erfahrungen der Jugendlichen aus der Schule und mit “entwicklungsgefährdenden Inhalten” losgeworden. Einen Pressebericht von der Westen zu der Session gibt’s hier.

Im Vergleich zu letztem Jahr, wo zumindest die JuPis stark vertreten waren, gab es diesmal also so gut wie keine Jugendbeteiligung, obwohl durchaus im Netz und bei Jugendorganisationen geworben wurde. Ich würde gerne auch mal Eure Vermutungen hören, woran das liegt. Meint Ihr, so eine Einrichtung wie das JugendPolitCamp macht Sinn? Ist die Altersbegrenzung bis 18 zu niedrig? Ist die Veranstaltung/Anreise zu teuer, die Themen langweilig? Warum sind die JuPis, die letztes Jahr dabei waren, diesmal größtenteils zuhause geblieben?

Ich fand vor allem die Podiumsdiskussionen wie immer ziemlich unspannend – besonders auf der zum JMStV wurde viel um den heißen Brei geredet und Medienkompetenz beschworen, die entscheidende Frage, ob wir den JMStV überhaupt brauchen, wurde aber nicht gestellt (außer von mir aus dem Publikum, ziemlich erbost). Leider fanden die Podiumsdiskussionen dieses Jahr auch nicht parallel zu den Barcamp-Sessions statt, sodass man sich kein Alternativprogramm suchen konnte. Auch fehlte ein kühler Aufenthaltsort für persönliche Gespräche, aus denen ich trotz widriger Umstände definitiv am meisten mitgenommen habe.

Zwar waren hauptsächlich die Politiker da, die auch sonst mit der Netzgemeinde im Dialog stehen (Jimmy Schulz von der FDP, Peter Tauber von der CDU, Tabea Rösner von den Grünen etc.), was ich aber positiv fand, war, dass die Mitglieder von Bundestag und Europaparlament nicht nur in den Podiumsdiskussionen waren, sondern auch in den Barcamp-Sessions. Z.B. hat Thomas Jarzombek von der CDU (!), der auf der ziemlich lahmen Podiumsdiskussion zum JMStV war, mit uns zusammen die Barcamp-Session zum Jugendschutz gemacht und dabei hauptsächlich den Jugendlichen zugehört. Das war definitiv ein gutes Zeichen. Erschreckend hingegen war, dass Netzpolitik-Spezialisten der Grünen offensichtlich den Kirchentag wichtiger fanden und dem PolitCamp fernblieben. Ich hatte alles in allem den Eindruck, dass das Politcamp beginnt, ein wenig im eigenen Saft zu kochen, und ich frage mich, wie man die Politiker und auch Jugendlichen dorthin bekommt, die den Dialog besonders nötig hätten, weil sie sich nicht eh schon das ganze Jahr auf Konferenzen treffen.

Insgesamt war das Politcamp jetzt keine große Offenbarung für mich, aber für die spannenden Gespräche am Rande, die Jugendschutz-Session und die zur Europapolitik mit zwei MEPs und Joe McNamee von EDRi hat es sich schon wieder gelohnt. Ich hoffe, nächstes Jahr sind wieder ein paar mehr Leute unter 20 dabei. Es ist definitiv eine gute Chance, ein paar Politiker in die Finger zu kriegen und ihnen die Meinung zu sagen. Faszinierenderweise hören die meisten sogar zu!

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Eine Antwort to “PolitCamp 2011: Ein Erfahrungsbericht”

  1. Institut für Kommunikation in sozialen Medien » politcamp 2011: Linkschau Says:

    [...] PolitCamp 2011: Ein Erfahrungsbericht – Julia Reda Hier ein kleiner Erfahrungsbericht vom PolitCamp #pc11 vom 03. bis 05. Juni in Bonn. [...]

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